Südliche Toscana – Bilder ohne Ende

Die schönsten Orte für eine geruhsame Tour und schöne Fotos

Von Ludger Schmitz

Nur kurz einige Hinweise zu Florenz und Siena:

In Florenz ragen zwei Motive heraus: Zum einen ist das der Panoramablick über die Stadt von der Piazzale Michelangelo über dem südlichen Arno-Ufer. Die beste Zeit – für jeden Besuch – ist der frühe Vormittag oder der späte Nachmittag, dann ist der Trubel vorbei und das Licht wird weich. Wenn man sich umdreht, kann man die Bronze-Kopie des Davids vor den Hintergrund einer klassischen Toscana-Villa bekommen.

Zum anderen gibt es ein unglaublich gutes Motiv der David-Kopie, die vor dem Palazzo Vecchio steht. Von der nordwestlichen Ecke des Durchgangs zwischen den Gebäuden der Galleria degli Uffizi sieht man den David und im Hintergrund die Kuppel des Doms. Das Licht fällt am Nachmittag am besten ein. Stark heranzoomen auf Rumpf und Kopf des David.

Siena: Es lohnt sich, auf den Rathausturm zu steigen – und zwar am besten kurz vor Mittag. Jetzt hat man unter sich den gesamten Marktplatz, der von den Pferderennen Palio bekannt ist. Und Mittags zeigt der Schatten des Rathausturms auf den Brunnen oben am Marktplatz. Man braucht für ein Gesamtbild des Platzes, so hoch ist der Turm nicht, ein extremes Weitwinkel: analog 20 mm oder besser noch weniger. 14 bis 17 mm sind ideal.

Kurz bevor man, von der Stadtmitte kommend, den Domplatz betritt, gibt es links, etwas versteckt in einem Museum, den Aufgang auf einen der Bögen des unvollendeten Doms. Es ist Schwindel erregend, schließlich oben auf dem Bogen zu stehen, und Angst erregend, weil Schulklassen herum toben. Man wird belohnt mit einem tollen Blick auf den Dom und vor allem auf den Marktplatz. Bestes Licht am späten Nachmittag. Spektakulär, wenn Gewitterwolken aufziehen. Aber dann ncihts wie weg!

So, jetzt geht’s aber los.

Nämlich südöstlich raus aus Siena auf die N326 Richtung Arezzo. Noch in den Außenbezirken von Siena abbiegen auf die N438 Richtung Asciano. Diese Gegend heißt „la Crete“, nach wenigen Kilometern wird’s spektakulär. Einsame Bauerhöfe, zu denen baumbestandene Alleen führen. Diese Szenerie reicht bis jenseits von Asciano über die Abbazia di Monte Oliveto (ein Ort vollendeter Ruhe) hinaus. Die klassischen Toscana-Bilder gibt es hier dutzendweise. Die berühmten Abstufungen von Blautönen vor dem Hintergrund sanfter Berge entstehen durch Luftfeuchtigkeit. Am besten ist die Wirkung im Frühjahr und vormittags, wenn die Sonne den nächtlichen Tau aus den Wiesen und Äckern verdunstet. Die Straße ist nicht breit und manchmal unübersichtlich. Daher nur in Feldzufahrten anhalten, aber dort nicht länger parken, um den Bauern die Zufahrt nicht zu versperren.

In Buonconvento auf die N2 Richtung Süden (Bolsena), nach kurzer Strecke abbiegen nach Montalcino, von dort südlich zum pittoresken Kloster San Antimo. Von hier kann man südlich davon auf wunderbaren kleinen Straßen um den Monte Amiata fahren. Anfang des letzten Jahrhunderts wurden hier tatsächlich Bergrennen gefahren. Heute eine gute Ecke mit viel Schatten für ausgedehnte Spaziergänge.

Oder man fährt von San Antimo in einem Südbogen zurück zur N2, auf die man bei Bagno Vignoni trifft. Das verschlafene Nest war im Mittelalter ein wichtiges Bad, in dem sich Landsknechte von ihren Wunden erholten. Von hier die N2 nördlich fahren nach San Quirico d'Orcia. Dieser Ort, auch Montalcino bietet sich als Basislager für ein paar Tage an, weil man von hier die südöstliche Toscana gut in Tagestouren durchstreifen kann. Das Hotelangebot ist aber bescheiden.

(Eine von mir inzwischen bevorzugte Übernachtungsbasis ist Grossetto in der Maremma. Das Hotel Maremma in der Altstadt ist recht günstig und passabel. Von dort kann man sämtliche Lokationen der Süd-Toscana locker in Tagestouren abklappern. Nicht weit zum Strand.)

Von San Quirico geht es östlich (N146) nach Pienza. Von einem Papst Pius, der aus der Ecke kam, gegründet, war dies eine mittelalterliche Musterstadt. Heute eine Künstlerkolonie mit vielen schönen Ansichten.

Nächste Station ist Montepulciano. Die Wein-Metropole hat viele pittoreske Ecken. Die Oberstadt muss man erlaufen. Dafür sollte man sich Zeit nehmen.

Weiter Richtung Chianciano Terme. In dem nicht so schönen Badeort biegt man rechts ab Richtung N2 (Bolsena) und kommt nach wenigen Kilometern nach La Foce. Gleich hinter diesem Kaff gibt es eine irre Szene mit einem Pappel-gesäumten Feldweg, der sich zu einem Gehöft auf dem gegenüber liegendem Berg windet. Das Bild ist bekannt von einem Auto-Werbespot. Man kann den Feldweg nicht befahren. Zu Fuß gibt er auch keine besseren Bilder her. Von hier weiter zu N2 und über die gut ausgebaute Straße zum Lago di Bolsena. Badetage. Den See sollte man ganz umrunden. Insbesondere hat Capodimonte Flair. Nicht weit davon entfernt könnte Viséntium das alte Zentralheiligtum der Etrusker geborgen haben. Leider ist wenig zu sehen.

Westlich vom nördlichen Ende des Bolsena-Sees liegen ein paar uralte Städtchen aus Etruskertagen. Sie sind allesamt sehr sehenswert. Es beginnt mit Sorano. Der Höhepunkt ist die einstige Etruskerfestung Pitigliano. Links vor der Zufahrt zur Altstadt liegt ein kleines Hotel. Wer früh genug kommt, kann ein Zimmer mit Blick auf die Stadt ergattern, aus dem man tolle Nachtfotos schießen kann. Die um zwei Straßen gegliederte Stadt aufmerksam durchwandern. Es gibt ohne Ende hübsche Details.

Wenige Kilometer nördlich liegt Sovana. Das schon fast aufgegebene Städtchen beherbergt heute viele Künstler. In der Nähe sind die Toma della Sirena und die Necropoli di Poggio Priso sehenswert. Ein paar Kilometer westlich erriecht man förmlich bei Saturnia die Terme di Saturnia. In mehreren Kaskaden läuft sehr warmes Wasser aus einer vulkanischen Quelle über dutzende Becken ab, die sich aus Kalkablagerungen gebildet haben. Es stinkt bestialisch nach faulen Eiern. Wer in dem wohl tuenden Wasser badet, nimmt unweigerlich den Geruch an und wird bis zur Dusche im Hotel (vor Ort gibt es keine) Einsamkeit genießen können ;-)

Über Manciano geht es zur Küste, genauer zum Monte Argentário. Diese Halbinsel muss man unbedingt auf der Küstenstraße umrunden. Jede Gelegenheit zum Parken nutzen, denn die Straße ist eng, und es bieten sich alle 500 Meter wieder neue fantastische Ausblicke über steil eingeschnittene Buchten. Im Anschluss geht es über Orbetello oder die südliche der drei Landbrücken zurück ans Festland und auf der N1, der einstigen Via Aurélia, Richtung Rom. Nach wenigen Kilometern schon ab nach Ansedónia. Am rechten Ende des Strandes findet sich eine architektonische Meisterleistung der Etrusker: Sie haben einen Kanal, die Tagliata Etrusca, tief in den Fels geschnitten, um durch Umleitung eines Baches, den einstigen Hafen dort (man sieht die Reste im Wasser, Polfilter benutzen) vor Versandung zu bewahren.

Zirka 15 Kilometer weiter Richtung Rom folgt auf der N1, schon in Lazio, die Ausfahrt Chiarone Scalo. Hier fährt man aber landein, also nach Norden und gelangt dank guter Ausschilderung unproblematisch zu einem spektakulären Open-Air-Kunst-Event. Nikki de Saint Phalle hat hier zusammen mit ihrem Mann nicht nur ihre Nanas aufgebaut, sondern auch diverse Häuser, Tempel, Figurationen. Der Eintritt ist teuer, aber der riesige Spaß in einem großen Areal ohne eine einzige gerade Linie ist ihn allemal wert. Nur von Spätfrühling bis frühem Herbst und nur vormittags geöffnet.

Von hier aus geht es wieder nordwestlich auf der N1 bis nach Talamonte. Über einer riesigen, nach Süden geöffneten, sichelförmigen Bucht thront der Ort. Es ist einfach toll, durch den Ort und die Reste der großen Festung zu wandern. Alles strahlt so eine Ruhe aus, dass man auch die übelste Hektik vergisst. Der sich nördlich anschließende Parco Naturale di Maremma lässt sich nur mit organisierten Führungen besichtigen.

Eine Lücke aber gibt es: Zwei Kilometer nördlich von Alberese bilden ein paar Bauernhäuser die Ortschaft Spergolaia. Von hier führt eine lange wellige Straße zum Strand, der Marina di Alberese. Er ist von einer Dünenkette begleitet, die man nicht in den Park hinein verlassen darf. Der Parkplatz an der Marina ist im Sommer hoffnungslos überfüllt. Wenn man den Strand südlich mehr als einen Kilometer entlang läuft, wird das Publikum rarer. Im Frühjahr und Herbst sind hier so wenig Leute, dass niemand an Nacktbaden Anstoß nimmt. Eine Rarität in Italien.

Wir haben mehrere Male für einige Tage unser Hauptquartier im benachbarten Grosseto aufgeschlagen. Die Außenbezirke sind einfach hässlich, aber der alte Stadtkern, komplett von begehbaren Mauern umschlossen, ist eine Oase. Eine einzige Fußgängerzone mit schönen, vor allem guten und preiswerten Restaurants und netten Läden. Hotel Maremma ist kostengünstig und passabel.

Von Grosseto aus kann man gut Tagestouren unternehmen. Zum Beispiel zu den Ruinen der einstigen etruskischen, später römischen Stadt Roselle mit ihren gigantischen Mauersteinen oder zur Nekropole (Gräberfeld) von Vetulonia. Ein noch besseres Gräberfeld gibt es nördlich von Piombino beim Ort Populónia: die Tombe Etrusche. Das muss man gesehen haben. Blitzgerät mitnehmen, denn das Innere der gewaltigen Totenhäuser birgt viele Ansichten. Und nicht den ziemlich langen Weg zum Steinbruch scheuen! Hier kann man sehen, wie sie gearbeitet haben.

Ein anderer Ausflug sollte Massa Marittima zum Ziel haben. Es ist nicht zu übersehen, dass die Hauptkirche auf einem römischen Tempel aufbaut. In der Stadt lohnt sich der steile (aber nicht lange) Aufstieg zur Festung. Oben von der Mauerkrone gibt es ein schönes Panorama.

Westlich von Massa liegt der Ort Suvereto. Hier beginnt eine kleine Landstraße, die sich besonders auf dem Teilstück bis Sassetta sehr bizarr an Bergen entlang windet und vom Blattwerk großer Bäume überdacht ist. Das Ergebnis ist am Nachmittag ein bizarres Spiel von Licht und Schatten. Pink Floyd einlegen und cruisen!

Gut 20 Kilometer weiter nördlich verlässt man bei Cécina wieder die N1 und fährt auf der N68 nach Voltera. Auch das eine Etrusker-Gründung und spätere römische Provinzstadt. Aus einer mittelalterlichen Müllhalde hat man das römische Theater ausgegraben. Imposant.

Weiter auf der N68 und nach 15 Kilometern nach San Gimignano abbiegen. Genau, das ist die Stadt mit den vielen Geschlechtertürmen. Den besten Blick auf die Stadt hat man von unten, außerhalb. Im Häusergewirr der Stadt, sie zieht sich entlang zweier fast paralleler Straßen, kommen die Türme nicht zur Geltung. Da gibt es nur eine Stelle, nämlich die einstige Burg. Aber man sollte mal auf einen dieser Türme geklettert sein. Ganz schön beeindruckend.

Wieder Richtung Siena gibt es an der von Florenz kommenden Autobahn die Ausfahrt Monte Riggioni. Ein eiförmiger Hügel ragt aus der welligen Landschaft heraus. Oben ist er von einer weiten Mauer umgeben. Und drinnen: Da verlieren sich fast die Häuser eines mittelalterlichen Städtchens. Man hat Platz – und sehr viel Ruhe.

So, das war so eine Toscana-Tour. Gute Fahrt, tolle Fotos und beste Erholung!