Datenintegration - die nächste Erfolgsgeschichte?

Talend will aus der Open-Source-Nische an die Branchenspitze

Von Ludger Schmitz*, 21.5.2009

Talend hat heute ein neues Produkt freigegeben, mit dem sich der Spezialist für Datenintegration auf Open-Source-Basis offenbar neu positionieren will: ganz oben.

Heute hat Talend die „Integration Suite MPX“ freigegeben. Das Programm ist darauf angelegt, sehr große Datenmengen aus unterschiedlichen Formaten in kürzester Zeit zu transformieren. Dazu bedient es sich der massiv-parallelen Verarbeitung von Prozessen sowie der „FileScale“-Technik, einer bei Google unter dem Namen „MapReduce“ entwickelten Architektur, um zahlreiche und große Datensätze in verteilten Umgebungen zu berechnen. Solche Tools sind notwendig, um Daten aus verschiedenen Quellen zu extrahieren, umzuwandeln und für neue Computing-Aufgaben zu laden (Extract, Transform, Load; ETL), beispielsweise für Business Intelligence und Data-Warehousing.

Seit 2006 hat sich der gerade vier Jahre bestehende Open-Source-Anbieter auf dem Markt für Datenintegration und -migration einen Namen gemacht. Damals erschien das quelloffene „Talend Open Studio“, dessen Kern aus drei Modulen besteht: Business Modeller, Job Designer und Metadata Manager. Für dieses Basisprodukt haben Anwender und Partner den größten Teil der Konnektoren zu Datenbanken und Applikationen geschrieben. Die Community ist ferner aktiv bei der Fehleranalye und Betatests, organisiert gegenseitige technische Hilfe und hat für die Übersetzung der Benutzerführung aus dem Englischen in momentan neun andere Sprachen gesorgt. Welcher Code aber in das Kernprodukt einfließt, behält sich Talend vor. Soweit ähnelt das Modell MySQL und SugarCRM.

Das Geschäft macht Talend mit Erweiterungen zu Open Studio, insbesondere mit der „Integration Suite“. In dieser sind die Module von Open Studio funktional reichhaltiger und außerdem gehört technischer Support zum Kaufvertrag. Der Preis der Jahres-Subskription richtet sich, ein recht rares Verfahren, nach der Zahl der im Integrationsprojekt involvierten Entwickler. Darüber hinaus gibt es Open Studio unter dem Titel „Talend On Demand“ als Software-as-a-Service sowie die Erweiterungen „Data Quality“ zur Verbesserung und Sicherung der Datenqualität im Migrationsprozess und „Open Profiler“ zur projektvorbereitenden Analyse der Daten und potenzieller Probleme bei ihrer späteren Integration.

Der Anbieter zählt derzeit rund 500 Abonnenten der Integration Suite. Entgegen der ursprünglichen Erwartung, Kunden vor allem unter mittelgroßen Anwenderunternehmen zu finden, werden inzwischen ein Drittel des Umsatzes mit Firmen aus der Fortune-1000-Klasse gemacht.


Mit der MPX-Variante der Integration Suite will Talend jene Anwenderunternehmen ansprechen, bei denen besonders große Datenmengen zu transformieren sind. Für diese gab es bisher nur proprietäre Lösungen, beispielsweise vom Marktführer Informatica oder vom technisch besonders gehobenen und entsprechend teuren Anbieter Ab Initio. Talend-Marketing-Chef Yves de Montcheuil legt die Latte gleich sehr hoch: „Jetzt steigen wir in die Topliga auf, und wir greifen gleich deren Spitze an.“

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen bei www.silicon.de