„Open Source muss immer preiswerter sein!“

Die proprietäre Konkurrenz hat immer das Nachsehen - der Anwender den Vorteil

Von Ludger Schmitz*, 2.5.2009

Anbieter proprietärer Software behaupten gern, die Open-Source-Konkurrenz sei nicht weniger teuer. Das hören einige Open-Source-Anbieter vielleicht nicht einmal ungern, denn sie müssen ihren Kunden klar machen, dass quelloffene Programme und Services nicht kostenlos sind. Doch jetzt fordert einer von ihnen, Open Source müsse immer günstiger als die Konkurrenz sein.

Die Kosten einer Software addieren sich über ihren ganzen „Lebenszyklus“: vom Kauf über Installation, Integration und Lizenzen bis zum täglichen Betrieb über eine angenommene Nutzungszeit. Open Source, in der klassischen Form aus dem Internet „gezuzelt“, ist unschlagbar: Sie kostet nichts. Aber dann „kommt das dicke Ende“, erklären Microsoft und andere Vertreter des traditionellen Softwaremodells. Quelloffene Programme verlangten mehr Zeit und Mühe bei ihrem Einbau in die vorhandenen IT-Strukturen und im späteren Betrieb vor allem durch Updates, für die kein Hersteller gerade stehe. Wenn sich aber ein Linux-Dienstleister der Sache annehme, werde es teuer.

Billigheimer sind wir nicht, kontert die Open-Source-Seite, schließlich haben auch wir die branchenüblichen Gehälter für die Angestellten zu zahlen. Aber gerade wenn sich Software-Anschaffungen nach wenigen Jahren wiederholen, zum Beispiel bei Office-Paketen, spielten die Lizenzkosten sehr wohl eine Rolle. Der Kostenvorteil von Open Source werde aber immer wirksam über die Faktoren bessere Anpassbarkeit durch Code-Offenheit, Orientierung an offenen Standards, Herstellerunabhängigkeit etc. Nur ist das betriebswirtschaftlich kaum zu kalkulieren. In den letzten Monaten kam noch ein Argument dazu: Im Falle eines Scheiterns eines Projekts sind bei Open Source die Exit-Kosten deutlich geringer. Während man sich auf proprietäre Lösungen früh festlegen muss und fast alle Kosten sofort anfallen, kann man Open Source beliebig lange ausprobieren, Erweiterungen schaffen, integrieren. Erst wenn alles steht, kommt der Service-und-Support-Vertrag.

Diese Standardargumenten reichen einem Open-Source-Verfechter nicht: Peter Ganten, Gründer und Geschäftsführer des Bremer Linux-Spezialisten Univention: „Klar, für ein Anwenderunternehmen ist nur der Gesamtpreis interessant. Wer unterm Strich preiswerter ist, hat das bessere Argument.“ Aber Ganten geht einen Schritt weiter: „Wir müssen günstiger sein – und zwar im gesamten Softwarelebenszyklus.“

Das müsse man von Anfang an merken: „Unsere Lizenzen sind günstiger als bei proprietären Konkurrenten, weil wir nicht jedes Teil selbst programmieren müssen, weil wir auf einen riesigen Fundus vorhandener Komponenten zurückgreifen können, diese nur zusammenfügen und ihre Qualität sichern müssen.“ Ein Open-Source-Anbieter brauche also weniger Programmierer. „Insgesamt sind unsere Kosten zur Produktherstellung niedriger, und das schlägt sich unmittelbar im Preis nieder.“

Der nächste Punkt sind die Einführungskosten. Welche Hardware braucht eine Lösung? Welcher Aufwand entsteht, um eine Lösung einzuführen? Ganten fordert: „Da müssen wir effizient sein, da muss unsere Lösung überall anpassbar sein. Und in dieser Hinsicht hat Open Source wieder Vorteile: Es ist flexibler und anpassbarer. Dadurch lassen sich Projekte effektiver umsetzen. Das heißt: Die Projektkosten sind geringer.“

Schließlich kommen die Betriebskosten: Wie viele IT-Mitarbeiter muss ein Anwendungsunternehmen über welchen Zeitraum zur Verfügung stellen, um ein System zu betreiben. Hier steckt der wahre Kostenberg. Wenn eine Lösung von den Usern einfach zu verwenden ist, wenn Administration, Patches und Updates wenig Aufwand in der Administration verursachen, ist das eine enorme Einsparung. Prompt fordert Ganten: „Auch da müssen wir punkten. Deswegen brauchen wir intuitiv bedienbare Benutzeroberflächen, die mindestens so gut sind wie in proprietären Umgebungen. Unsere Produkte sind zuverlässiger, aber müssen vom User bis zum Administrator einfacher anzuwenden sein.“

Gantens Ansichten dürften nicht überall in der Open-Source-Welt gleich auf Zustimmung stoßen. Denn seine Forderungen laufen zunächst einmal auf höhere Aufmerksamkeit gegenüber Kundenwünschen, mehr Überlegungen bei der Produktentwicklung, größeren Programmieraufwand hinaus. Kurz: mehr Kosten. Univention-Chef Ganten betrübt das nicht: „Wir kommen aus der Nische, haben weniger Kunden als Microsoft. Unser Anspruch ist aber: Wir sind die Wettbewerber, die den Markt aufrollen wollen. Dafür müssen wir das wirtschaftlichere Angebot haben. Und das schaffen wir auch.“

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf Computerzeitung-Online