Ewig eine „Viererbande“ der Administration?

"Big Four" - aber pfeifen im Walde

Von Ludger Schmitz, 22.6.2008


Heutzutage gehe es um IT-Service-Management und nicht mehr um IT-Administration, sagen die Altmeister dieser Disziplin, BMC, CA, HP und IBM. Open Source sei doch nur auf dem Level von gestern. Doch so gelassen, wie die „Big Four“ tun, sind sie nicht mehr.

Man kann eigentlich fragen, wen man will, die Antwort ist immer gleich: Nein, „Nagios“ und darauf basierende Programme sowie der Rest der Open-Source-Produkte in Sachen IT-Management hätten keinen Einfluss am Markt. Und überhaupt stünden die Kunden vor größeren Herausforderungen, denen mit dem Open-Source-Nachwuchs nicht beizukommen sei.


Jedes Mal, wenn ich derlei höre, kürzlich noch bei IBM, befällt mich das Gefühl, keine ehrliche Auskunft zu bekommen. Wer immer das sagt, es kommt nicht aufrichtig herüber. Allerdings ist einzuräumen, dass es trotz des generellen Trends zur Verneinung erhebliche Unterschiede in den Aussagen gibt. Am offensten hat sich bisher BMC gezeigt. Denen muss man ohnehin zugestehen, mit der Umorientierung von IT-Administration auf Service-Management diesem Markt einen neuen Trend aufgedrückt zu haben. In Sachen Open Source ist die Firma der Konkurrenz anscheinend auch voraus.


BMC hat kürzlich mit William Hurley einen Kopf der Bemühungen um eine offene Standardisierung der für das Service-Management zentralen und unverzichtbaren Change and Configuration Management Database (CMDB) ins Top-Management geholt. Der ist bei BMC jetzt ganz offiziell verantwortlich für alles, was unter der Open-Source-Flagge segelt, und für einiges mehr.


BMC-Chef Bob Beauchamp hat mir kürzlich auf der BMC-Anwenderkonferenz in Lissabon genauer erklärt, was Hurleys Aufgaben sind: Er soll sich demnach darum kümmern, „wie unsere Produkte quelloffene Anwendungen administrieren können, wie wir intern Open Source nutzen und wie wir das quelloffene Entwicklungsmodell verwenden können, um unsere Kunden besser in die Entwicklung unserer Produkte einzubeziehen“.


Zunächst scheinen damit Nagios „and the likes“ nicht angesprochen zu sein. Auf Nachfrage kam aber heraus, dass derlei für Beauchamp unter Anwendungen fällt. Man müsse solche Admin-Tools ebenso unter das BMC-Dach integrieren wie die allgegenwärtigen Wettbewerbsprodukte.


Tatsächlich räumt Beauchamp den Open-Source-Tools für die Administration eine zunehmende Rolle ein: „Ich halte es für möglich, dass einige gebräuchliche Funktionen aus den großen Lösungen von BMC und anderen Anbietern mit Open-Source-Produkten erfüllt werden.“ Das betreffe das „Mikromanagement der IT-Infrastruktur, wo Open-Source-Tools vielleicht gut sind“. Er sehe die Herausforderung aber gelassen: „Wir verschieben unseren Produktfokus ständig höher.“


In Bayern weiß man: Oben wird die Luft dünner. Und William Hurley würde ich gerne mal die Frage stellen, wie er die Dynamik der Open-Source-Entwicklung einschätzt. Mir hat noch niemand erzählt, dass er vor Jahren schon Linux und Konsorten die Rolle zugetraut hat, die sie heute spielen.