Wiederauferstehung als ApacheOpenOffice

 Nach 16 Monaten Wartezeit ist ein neues Release erschienen

 Von Ludger Schmitz, 18.5.2012

Fast eineinhalb Jahre, eine gefühlte Ewigkeit von genau 16 Monaten nach der Version 3.3 hat die Apache Software Foundation (ASF) die Version 3.4 von OpenOffice freigegeben. Die Bürosuite heißt jetzt Apache OpenOffice, ohne .org.

Die Änderungen im neuen Release gehen zum Teil schon auf Entwicklungen zurück, die zu Zeiten der Oracle Herrschaft (bis Juni letzten Jahres) entstanden. Aber es gibt auch darüber hinaus gehend eine Menge Neuerungen, die belegen, dass die Community um dieses Produkt, eines der erfolgreichsten der Open-Source-Geschichte, durchaus lebendig ist. Eine Übersicht über die Änderungen und Erweiterungen findet sich hier.

Wichtiger als technische Details ist wohl die Nachricht, dass OpenOffice lebt. Bei oberflächlicher Beobachtung konnte aufgrund einer Vielzahl von LibreOffice-Releases, der Eindruck entstehen, dieser abgespaltene Fork habe einfach mehr Dynamik. Man muss schon Vertrauen haben, dass die ASF eine solide Organisation ist, die ihre Projekte ruhig und entschlossen leitet - und folglich auch OpenOffice gute Perspektiven bietet.

Trotzdem waren Anwender von OpenOffice verunsichert. Privatanwender haben in Massen die Fahnen gewechselt. Aber bei den Anwendern in Industrie und öffentlicher Verwaltung ist das nur in wenigen Fällen geschehen. Diese professionellen Anwender haben sich richtig Sorgen gemacht, was nun aus OpenOffice wird. Keiner von denen, die sich erst vor kurzem von MS Office befreit haben, möchte gleich wieder die nächste Migration. Sie würde bedeuten, dass man aufs falsche Pferd gesetzt hat – nicht gerade gut für das Image der IT-Entscheider.

Kein Produkt, schon gar nicht eins aus der Open-Source-Welt wird sich ohne Verbesserungen durch neue Versionen lange am Markt halten können. Eher früher als später steht doch die Frage an, ob man nicht doch zu LibreOffice wechseln sollte. Zumal der Aufwand nicht so groß ist, weil LibreOffice ein Plug-in-Replacement ist. Diesen Anwendern kommt die erste neue Version unter Apache-Hoheit sicher sehr gelegen.

Ein mögliches IT-strategisches Argument („totes Produkt“) kann also nicht mehr verfangen. Es gibt sogar ein sehr gutes, weiterhin bei der Stange zu bleiben. Denn IBM bringt Features von Lotus Symphony, auch ein OpenOffice-Fork, in Apache OpenOffice ein. Es hat zwar fast ein Jahr gebraucht, bis die Apache Software Foundation OpenOffice aktualisieren konnte. Aber die Zeitintervalle dürften künftig kürzer ausfallen.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Bonner IT-Dienstleister Tarent.