Microsoft Open Technologies Inc. gegründet

Neues Tochterunternehmen übernimmt alle Open-Source-Aktivitäten

Von Ludger Schmitz, 18.4.2012

Auf dem behutsamen Weg zur Annäherung an den Open-Source-Trend hat Microsoft einen überraschenden Schritt getan, der aber nur für Verwirrung und Skepsis gesorgt hat.

Microsoft bleibt in Sachen Open Source für Überraschungen gut. Jetzt hat das Unternehmen die 100-prozentige Tochtergesellschaft Microsoft Open Technologies Inc. (MSOT) gegründet. Sie bekommt alle Aktivitäten der Muttergesellschaft in Richtung „Interoperabilität, offene Standards und Open Source“ übertragen, „eine Investition in Offenheit“, wie ihr neuer Chef Jean Paoli erläuterte. Dieser altgediente MS-Manager hat sein Unternehmen in diversen Standardisierungsgremien vertreten, insbesondere war er an der XML-Spezifikation beteiligt. Ihm sollen zwischen 50 und 70 Mitarbeiter zur Seite stehen, die von Microsoft zur MSOT wechseln werden.

Die Gründung des neuen Unternehmens wurde, nach einer ersten Durchsicht der einschlägigen Websites unter Open-Source-Fans und unabhängigen Beobachtern (hier und hier), nicht durchwegs als ein positives Signal gewertet, sondern hat auch eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Paoli betont, die Ausgründung würde es für Microsoft leichter und schneller machen, Open-Source-Code zu veröffentlichen bzw. zu akzeptieren.

Das scheint rechtlich aber zumindest fraglich, da hierfür eine eindeutige juristische Trennung zwischen beiden geschäftlichen Einheiten vorliegen müsste. Prompt kam es im Internet zu Spekulationen, Microsoft könne sich hinter der MSOT verstecken, falls es zu Patentangriffen auf Open-Source-Software komme.

Tatsächlich bleiben das Business Modell der MSOT sowie die Intentionen dahinter vorerst unklar; die Ertragsquellen sind nicht erläutert. Die eher skeptischen Reaktionen aus der OSS Community auf die MSOT-Gründung dürften jedoch zum Teil auch von den Erinnerungen an frühere Aktionen von Microsoft-Topmanagern gegen Open Source sowie an Manöver zur Behinderung oder Einflussnahme innerhalb von Standardisierungsprozessen (z.B. Open-Office-XML) geprägt sein. Auch die Rolle Paolis sehen manche in diesem Kontext kritisch.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im monatlichen Mitglieder-Newsletter der Open Source Business Foundation (OSBF).