CeBIT 2012: Für Open-Source-Anbieter ein voller Erfolg

Zwei Schuhgrößen zugelegt. Erfolg hat seinen Preis.

Von Ludger Schmitz, 10.3.2012

Sicherlich hat sich das alljährliche IT-Spektakel in Hannover für die Aussteller aus der Open-Source-Branche gelohnt. Es waren auf Seiten der Aussteller nur zufriedene Stimmen zu vernehmen.

Die Open-Source-Stände in der Halle 2 erlebten wieder einen Ansturm der Interessenten. Der fiel diesmal noch heftiger aus, als man es aus den letzten Jahren schon kennt. Gewöhnlich ist der erste Messetag, es war der Dienstag letzter Woche, von ruhigem Geschehen geprägt. In diesem Jahr war gleich richtig was los. 50 oder 100 Prozent mehr Leads am Dienstag als 2011. Ein Anwender, der den ersten direkten Kontakt sucht, sollte sich gleichwohl den Messedienstag vornehmen, denn an den folgenden Tagen kam es noch dicker. Am Mittwoch waren die Stände belagert; nur mit Glück war vielleicht zur Mittagszeit oder nach 17 Uhr eine kurze Demo zu bekommen. Dass am Donnerstag wegen des Streiks im öffentlichen Nahverkehr weniger Besucher zur Messe gekommen sein sollen, war im Open-Source-Areal nicht zu spüren.

Es war kaum Zeit, die Leads-Bögen auszufüllen. Der nächste Interessent war schon da. Alexandra Rudl am Stand der Open Source Business Alliance gingen schon am Ende des zweiten Messetages die vermeintlich reichlich vorhandenen Visitenkarten aus. Hier wirkte das Thema Deutsche Wolke als Magnet. Detlev Oertel, Chef von uib, hat wohl noch nie so wenige Zigaretten gedreht, weil er einfach nicht vom Stand weg kam.

Helmuth Neuberger, Chef von Zarafa, „The nr 1 MS Exchance replacement“, hatte allein am Mittwoch-Nachmittag acht Termine mit Presseleuten. Grund des Interesses: Das Unternehmen geht erstmals über die Microsoft-Welt hinaus und platziert seine Groupware-Lösung mit „WebApp“ so in der Cloud, dass andere Unternehmen und Anwender nach Gusto eigene Anwendungen anflanschen können. Univention erlebte einen auf der CeBIT nie so heftig erlebten Besucheransturm, weil sich Kunden und Partner für die Cloud-Fähigkeiten der Version 3.0 des Univention Corporate Server interessieren. Ein Gespräch mit Firmenchef Peter Ganten zu bekommen, war ohne Voranmeldung nicht oder nur aus Zufall möglich.

Dabei war das Thema Cloud Computing auf dieser CeBIT nicht mehr so penetrant allgegenwärtig wie im letzten Jahr. Viele IT-Anbieter sind doch wieder auf dem Boden der Realität angekommen. Wer sich richtig positioniert, indem er die Sorgen von Anwendern adressiert, konnte was erleben. Am Demopoint der erst zwei Monate alten Firma OwnCloud, die Anwendern die Wahl lässt, ob sie ihre Daten hausintern oder in der Cloud ablegen, war dermaßen Andrang, dass drei Mitarbeiter gebraucht wurden, obwohl nur ein Monitor zur Vorführung der Lösung vorhanden war. Schon besser am Stand von Agorum, aber immer noch viel zu klein für den Andrang der Interessenten. Es lässt sich schon jetzt voraussagen, dass zur nächsten CeBIT einiges wieder größer ausfallen wird.

Jetzt nach der CeBIT werden die Open-Source-Aussteller alle Hände voll zu tun haben, ihre Leads zu sichten und auszuwerten. Die Bewertung dürfte ziemlich gut ausfallen. Jedenfalls habe ich bei einer Firma einen Blick auf die Leads eines Tages werfen können. Wenn auch nur aus einem Viertel dieser Kontakte Aufträge werden, so meine spontane Empfehlung an den Firmenchef, sollte sein Unternehmen schnellstens ein oder zwei Leute einstellen. Die Reaktion war das einzige sorgenvolle Gesicht, was ich bei Open-Source-Leuten auf der CeBIT gesehen habe: „Finde die mal!“