HTML5: Ein offener Standard verdrängt proprietäre Technik

Adobes Abschied von Flash und Microsofts Bye-bye zu Silverlight

Von Ludger Schmitz, 25.11.2011

Zwei proprietäre Techniken vor dem Aus, weil absehbar ist, dass offene Standards für Entwickler attraktiver sein werden. Eine Lehre für Anwender: Proprietäres kann teuer werden, ohne eine Zukunft zu haben.

Adobe hat zwar nur angekündigt, den Media-Player Flash für mobile Geräte nicht mehr weiterentwickeln zu wollen. Damit bliebe die Flash-Zukunft auf stationären Systemen, also Desktops, offen. Faktisch ist es aber das Ende des proprietären Players. Denn die Adobe-Kapitulation auf Mobile-Umgebungen schwächt die Akzeptanz von Flash insgesamt und macht den Player für Entwickler weniger attraktiv. Stattdessen wird die Alternative HTML5 an Zuspruch gewinnen.

Adobe scheint das selbst so vorauszusehen. Denn inzwischen hat das Unternehmen auch das Software Development Kit Flex zum Entwickeln von Flash-Applikationen an die Apache Software Foundation übergeben. Open-Sourcing soll die Flash-Welt noch etwas am Leben erhalten. Adobe aber verabschiedet sich damit weiter von seinem proprietären Schwergewicht, dessen beste Tage schon gezählt waren, als Apple sich gegen Flash entschied. Ein proprietärer Anbieter setzte früh auf einen offenen Standard.

HTML5 bekommt weiteren Rückenwind aus einer Ecke, aus der das nicht zu erwarten war: Microsoft. Fast zeitgleich mit Adobes Flash-Aufgabe kam die Meldung, das Unternehmen wolle Silverlight nicht weiterentwickeln. Ursprünglich war das eine Browser-Erweiterung für so genannte „Rich Internet Applications“, also zum Beispiel 3D, Animationen, Videos, und sollte die Entwicklungsumgebung für Anwendungen auf Windows Phone 7 werden. Daraus wird nun auch nichts. Was bleibt, ist HTML5.

Damit scheiden zwei proprietäre Technologien aus dem Rennen aus, kurioserweise sogar schon jetzt, obwohl die Alternative, der offene Standard HTML5, noch gar nicht endgültig verabschiedet ist. Aber die letzten Entwürfe haben Adobe und Microsoft wohl erkennen lassen, dass ihre Technik dagegen eine schlechte Figur machen wird. HTML, einst nur eine textbasierende Seitenbeschreibungsprache, bekommt mit Version 5 nicht nur wesentlich mehr Grafikfähigkeiten, sondern wird sich auch auf Video und Audio erstrecken.

Damit werden entsprechende proprietäre Technologien zwar nicht automatisch unnötig. Aber es ist ein in der IT-Geschichte bemerkenswerter Vorgang, dass deren Anbieter ihre Produkte zurückziehen und einem offenen Standard den Vorzug geben. Prompt aufkeimende Hoffnungen, nun könnten auch noch weitere offene Standards mehr Anerkennung finden, gibt Tarent-Geschäftsführer Elmar Geese einen Dämpfer: „Jetzt ist die Disziplin der Browser-Hersteller gefordert, HTML5 schnell, vollständig und möglichst einheitlich zu unterstützen. Da gibt es noch einiges zu tun, damit die Softwarewelt ein Stückchen offener wird.“

Für IT-Anwender könnten die Niederlage proprietärer Technologien und der Sieg eines offenen Standards eine wichtige Lehre sein: Auf Proprietäres zu setzen, kann teuer werden. Die Schulungskosten sind für die Katz, Websites müssen neu entwickelt werden. Die Erfolgsgeschichte von HTML zeigt, dass offene Systeme zukunftssicherer und nachhaltiger sind.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Bonner IT-Dienstleister Tarent.