Open Source Business Alliance beginnt die Arbeit

Linux-Verband LIVE und Linux Solutions Group (Lisog) unter einem Hut

Von Ludger Schmitz, 10.11.2011

Auf ihrer ersten Mitgliederversammlung haben die zwei nun zusammengeschlossenen Interessenvertretungen neue Ziele und Leitlinien festgelegt sowie einen neuen Vereinsvorsitzenden gewählt.

Die erste Mitgliederversammlung der Open Source Business (OSB) Alliance hat die letzten notwendigen Schritte zur Vereinigung von Lisog und LIVE vollzogen. Formal ist die neue Organisation seit September dieses Jahres im Vereinsregister Stuttgart eingetragen. Mit der Vorlage der Finanzberichte und der Entlastung der bisherigen Vorstände von Lisog und LIVE endete jetzt die Geschichte dieser beiden Linux-Vereine. An ihrer Verschmelzung hatten beide Seiten seit einem Letter of Intent aus dem September 2010 intensiv gearbeitet.

„Einen wichtigen Meilenstein für das Open-Source-Umfeld in Deutschland“ nannte Karl-Heinz Strassemeyer, der scheidende Vorsitzende des gemeinsam gebildeten Vorstands, die Zusammenführung. „Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Denn wir werden für unsere Sache eine stärkere Interessenvertretung brauchen.“

Die Open Source Business Alliance hat 235 Mitglieder, von denen 128 aus der Lisog und 107 aus dem Linux-Verband kommen. Unter den Mitgliedern sind Anwenderunternehmen und Verwaltungen sowie wissenschaftliche Institutionen. Der Verein betrachtet sich als „führendes Netzwerk von Organisationen, die Open Source Software entwickeln, darauf aufbauen und die anwenden“, heißt es in einem Strategiepapier der Vorstands der OSB Alliance. „Uns verbindet die Überzeugung, dass wir durch offenes Handeln und das Teilen geistigen Eigentums besser, effektiver und erfolgreicher für unsere jeweiligen Organisationen und für die Gesellschaft handeln können.“

Die Gewinnung neuer Mitglieder und ein höherer Nutzen der Mitgliedschaft sind Kernpunkte der von der MV beschlossenen Strategie für 2012. Ein größeres Gewicht zu haben sieht die OSB Alliance als Voraussetzung für eine nachhaltigere Lobbyarbeit insbesondere im Public Sector. In Sachen technischer Entwicklung will sie auf der Basis der Koexistenz von proprietärer und Open-Source-Welt die Interoperabilität beider Seiten verbessern. Dieses Ziel soll sich auch in der Bildung neuer Arbeitsgruppen niederschlagen.

Momentan arbeiten im Rahmen der Open Source Business Alliance vier Arbeitsgruppen:

* Im Projekt EVB-IT geht es um die ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von IT-Leistungen. Die aus ihnen abgeleiteten Vorlagen für Ausschreibungen und IT-Verträge bedürfen einer Neuformulierung, weil sie bisher Open-Source-Anbieter benachteiligen.

* Die Open Thin Client Alliance arbeitet an einer RDP-basierenden, Betriebssystem-unabhängigen Thin-Client-Infrastruktur.

* Die Initiative Deutsche Wolke möchte einen zu 100 Prozent aus Open-Source-Software gebildeten Stack von Cloud-Angeboten für Infrastructure- und Software-as-a-Service schaffen, die ausschließlich deutsche Rechenzentren zur Verfügung stellen.

* Eine viertes Projekt zielt auf die Verbesserung der Interoperabilität des ODF-Formats von Open und LibreOffice mit Microsofts OOXML-Format.

Die Mitgliederversammlung hatte abschließend noch wichtige personelle Entscheidungen zu fällen. Denn der inzwischen 75-jährige Lisog-Mitbegründer und Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Strassemeyer trat aus Altersgründen von seinem Amt zurück. Ihn zeichnete die Versammlung aufgrund seiner Verdienste als Ehrenmitglied und Ehrenvorstand aus.

An seiner Stelle wählte die MV Peter Ganten, Gründer und Geschäftsführer des Bremer Linux-Infrastruktur-Softwareanbieters Univention, zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Außerdem wählten die Mitglieder Uwe Meyer-Gundelach, Distinguished Engineer von IBM, in den Vorstand. Weitere Mitglieder des Vorstands sind: Holger Dyroff (Novell) und Thomas Uhl (Topalis Holding) als stellvertretende Vorstandsvorsitzende sowie Helmut Krcmar (TU München), Henriette Baumann (Integratio), Karl-Eugen Binder (Stuttgarter Lebensversicherung), Martin Jähn (Unternehmensberatung Martin Jähn & Partner), Niels Mache (Struktur AG), Jens Ziemann (Red Hat), Elmar Geese (Tarent) und Rico Barth (Cape IT).

Auszüge aus einer Pressemitteilung verfasst für die Open Source Business Alliance.