Berlin macht den Anfang mit Open Data

In diesem Land bewegt sich doch noch etwas – ein wenig

Von Ludger Schmitz, 16.9.2011

Als erstes Bundesland hat Berlin vor wenigen Tagen ein Open-Data-Portal freigeschaltet und dort 18 Datensätze veröffentlicht. Doch es gab sogleich Kritik: zu wenig data, zu wenig open.

Die 18 Berliner Datensätze enthalten Informationen aus den Bereichen Bildung, Demografie, Handel und Dienstleistungen, Immigration, kommunale Services, Mikrozensus-Ergebnisse, Stadtplanung, Umwelt und Wahlen. Die stammen größtenteils vom Statistischen Landesamt. Hinzu kommen Berlin-Karten aus dem Projekt OpenStreetMap.

Das Ereignis wurde von Politikern natürlich ordentlich gefeiert als „Basis für offenes Verwaltungshandeln“ oder „wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer transparenteren Verwaltung in Deutschland“. Das Nachrichtenportal HeiseOpen berichtet allerdings auch von deutlicher Kritik: Nicht alle Datensätze stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz, lassen sich also nicht weiterverwenden. Ohnehin sind die meisten Datensätze nicht maschinenlesbar und haben keine Dokumentation. Überdies verfolge die Senatsverwaltung für Stadtplanung eine eigene Initiative, die „weder open, noch data“ sei.

Immerhin: Seit einem Open Data Day im Mai dieses Jahres gibt es eine Berliner Open Data Agenda als Vorschlag für eine Richtschnur für die Freigabe öffentlicher Daten. Solange Senat und Bürgermeister der Bundeshauptstadt sich nicht ausdrücklich dahinter stellen und die Sache vorantreiben, dürften immer wieder Behörden aus der Reihe tanzen. Aber der Anfang ist gemacht. Momentan ist das wichtig für die weitere Diskussion und Vertiefung des Themas Open Data. Anderen Bundesländern und Gemeinden ist ein erstes deutsches Beispiel gegeben. Das ist lobenswert.

Anderswo ist man weiter, vor allem in Großbritannien viel weiter, mit der Umsetzung einer Forderung, die hierzulande noch wenig Echo in der öffentlichen Debatte gefunden hat: Open Data. Es läuft darauf hinaus, das alle Daten mit Ausnahme der persönlichen und sicherheitsrelevanten, für deren Erhebung Bürger und Unternehmen mit ihren Steuergeldern bereits einmal bezahlt haben, frei und in offenen Formaten zugänglich und nutzbar sein sollen. Darüber, wie vor allem Behörden sich dem widersetzen, wurde unlängst hier berichtet.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Bonner IT-Dienstleisters Tarent.