Open Data für mehr Demokratie

Aus Steuern finanzierte Informationen gehören auch den Steuerzahlern!

Von Ludger Schmitz, 15.8.2011

In anderen Ländern ist Open Data die erklärte Arbeitsmaxime von Regierungen. In Deutschland beginnt gerade die Diskussion. Die Ziele: mehr Transparenz, mehr Kontrolle durch die Bürger, verantwortlicheres Handeln der Behörden.

Oliver Diedrich, Chefredakteur von heiseOpen, hat das Thema Open Data soeben einem breiterem Publikum vorgestellt. Es umfasst drei Bereiche. Erstens und vor allem ist der Zugang zu Daten der Behörden gemeint (Open Government), beispielsweise Geodaten über Trassen der Straßen, Bahnen oder Wasserwege vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie oder die Informationen des staatlich finanzierten Deutschen Wetterdienstes. Zweitens bezieht sich die Forderung für den freien Zugang zu staatlich finanzierten wissenschaftlichen Arbeiten (Open Access), was das Gros der Arbeiten von Universitäten und Forschungsgesellschaften betrifft. Drittens gehört dazu natürlich alles, was als Open Content unter der Creative-Commons-Lizenz publiziert worden, also eh schon frei verfügbar ist. Ausgeschlossen sind personenbezogene oder sicherheitsrelevante Daten.

Die letzte Einschränkung lässt sich natürlich sehr weitgreifend auslegen. Das haben die Behörden hierzulande aber noch nicht einmal nötig. Zwar gibt es ein Informationsfreiheitsgesetz und ein Verbraucherinformationsgesetz. Aber die dort verankerten Ausnahmen von der Auskunftspflicht umfassen auch Dinge wie „wettbewerbsrelevante Informationen“. Damit und mit Sicherheitsbedenken lässt sich vorzüglich mauern. Die Behörden seien „sehr kreativ“, das Auskunftsrecht der Bürger auszuhebeln, hat längst der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, kritisiert.

Tatsächlich landet die Bundesrepublik Deutschland in einer Auflistung des Comprehensive Knowledge Archive Network (CKAN) über frei zugängliche Informationen unter ferner liefen. Großbritannien, ausgerechnet das Land, dessen Europa-weit dichteste Videoüberwachung auch nicht vor den brutalen Gewaltausbrüchen der letzten Tage geschützt hat, ist in Sachen Open Data am weitesten. Die Behörden sind verpflichtet, in einem hierzulande unvorstellbaren Ausmaß ihre Informationen im Internet zu veröffentlichen.

Open Data war auch in Großbritannien nicht eine schnell akzeptierte Forderung; die Auseinandersetzungen darüber dauern weiter an. Wer mehr über deren Geschichte und Verlauf erfahren möchte, schaue sich einmal den Blog von Glyn Moody auf „Computerworld UK“ an.

Inzwischen haben hierzulande Organisationen wie Greenpeace recht erfolgreich in dieser Sache die Öffentlichkeit eingeschaltet. Beispielsweise hat der „Spiegel“ darüber berichtet. Open Data ist allerdings auch eine Forderung, die Open-Source-Organisationen angemessen wäre. HeiseOpen-Chefredakteur Diedrich schreibt zu Recht, dass offener Sourcecode auch nicht jedem nützlich ist, aber letztlich alle Anwender davon profitieren. Genauso wird nicht jeder mit offenen Daten etwas interessantes anzufangen wissen. Aber Spezialisten werden aus ihnen einen Nutzen für viele schaffen.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Bonner IT-Dienstleisters Tarent.