Open Cloud Initiative gegründet

Prinzipien für Cloud Computing ohne proprietäre Zwänge

Von Ludger Schmitz, 1.8.2011

Bessere Grundsätze und eine breitere personelle Aufstellung dürften die Erfolgsaussichten des zweiten Anlaufs verbessern.

Als „gemeinnütziger Advokat von Open Cloud Computing“ positioniert sich die Open Cloud Initiative (OCI). Sie wurde auf der Open Source Convention (OSCON) 2011 in Portland, Oregon, gegründet – und ist ein deutliches Zeichen, dass das Thema Cloud Computing auch in der Open-Source-Szene angekommen ist. Das ist durchaus nicht selbstverständlich, denn Cloud und Open Source vertragen sich nicht. Im Cloud Computing wird effektiv eine Bedingung von Open Source nicht erfüllt: Der Quellcode der Programme liegt den Anwendern, die sie nutzen, nicht vor.

Entsprechend geht es der OCI nicht darum, die Open-Source-Definition der Open Source Initiative (OSI) auf die Cloud zu übertragen. Vielmehr schreibt sie sich in Anlehnung an die OSI deren Ziel aufs Panier: Offenheit herstellen, um den Anwendern Freiheit statt proprietärer Herstellerbindung zu verschaffen. Diese Freiheiten sollen gleichzeitig so ausgelegt sein, dass sie einen ungehinderten Wettbewerb zwischen den Cloud-Anbietern ermöglichen.

Dazu hat die OCI ein Basisdokument vorgelegt, die „Open Cloud Principles“ (OCP), das 30 Tage zur Diskussion steht. Es fordert, Interoperabilität der Cloud-Angebote, damit Anwender ihre Daten zwischen den Anbietern verlagern können sowie ungehinderten Zugang und Abgang zu/von Cloud-Diensten. Das setzt voraus, dass Anbieter dafür notwendige Standards nutzen und gegebenenfalls in einem offenen Prozess neue entwickeln.

Diese Forderungen gab es schon einmal. Sie stehen in einem „Open Cloud Manifesto“, das zahlreiche Cloud-orientierte Anbieter, darunter fast alle bekannte Namen der Branche, am 1. April 2009 veröffentlicht haben. Doch das hat zu nichts geführt. Was daran liegt, dass das Manifesto wenig konkret wird und schon gar nicht verbindlich ist (mehr dazu hier).

Die OCI geht da deutlich weiter. Sie definiert Open Cloud über zwei Punkte: Erstens müssen alle Anwenderdaten und auch die Metadaten in offenen Standardformaten vorliegen. Zweitens müssen alle Funktionalitäten einer Cloud ebenfalls über Interfaces auf der Basis offener Standards zu adressieren sein.

Was nun offene Standards sind, definiert die OCI ebenfalls: Ein offener Standard muss in allen Details dokumentiert, veröffentlicht sowie zugänglich und kostenlos nutzbar sein. Alle in einem Standard vorhandenen Patente müssen unwiderruflich lizenzkostenfrei zur Nutzung verfügbar sein. Alle Markenrechte dürfen ausschließlich einer nicht-diskriminierenden Bestätigung der Compliance dienen. Schließlich müssen die Client- und Server-seitige Implementierungen gewissenhaft und interoperabel sein und unter einer von der Open Source Initiative (OSI) anerkannten Lizenz stehen oder Public Domain sein.

Die Leitung der OCI obliegt einem Direktorium, dass mindestens fünf, höchstens 21 Personen umfasst. Erster Präsident ist der Australier Sam Johnston. Der ist dadurch bekannt geworden, dass er im April 2009 einen „Open Letter to the Community“ veröffentlicht hat. In diesem stellte er viele Forderungen auf, die jetzt in die Prinzipien der OCI eingeflossen sind.

Unter den weiteren zehn Mitgliedern im Direktorium der OCI sind einige Persönlichkeiten, die zu Hoffnungen Anlass geben, dass die Initiative auf breite Resonanz stößt: Der bekannteste ist Sam Ramji, einst oberster Open-Source-Stratege bei Microsoft. Zum Direktorium gehören unter anderem Rick Clark, Principal Engineer für Cloud Computing bei Cisco, Noirin Plunkett, Executive Vice President der Apache Software Foundation, und Marc Fleichmann, Chef von Rising Tide Systems. Auch ein in der deutschen Open-Source-Szene bestens bekannter ist Director: Thomas Uhl, Vorstand der Linux Solutions Group (Lisog) und Gründer der Cloud-Initiative Deutsche Wolke.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Linux-Verbands LIVE.