Open-Source-Lizenz für Hardware

Eine Initiative aus dem CERN gegen die Neuerfindung des Rades

Von Ludger Schmitz, 12.7.2011

„Entwickeln in einer offenen Umgebung macht definitiv mehr Spaß als in Isolation, und wir sind der festen Überzeugung, dass Spaß zu besserer Hardware führt.“

Dieser Satz steht im Manifest des „Open Hardware Repository“ (OHR). Dies ist eine Plattform, die im Umfeld des Europäischen Kernforschungszentrums CERN in Genf Ingenieure aus der Experimentalphysik ins Leben gerufen haben. Das OHR versteht sich als Sammelpunkt von Projekten für Open-Source-Hardware-Entwicklung. Es finden sich dort bereits Projekte für PCI-Express-Karten, ARM-Einplatinencomputer oder den Feldbus, den das CERN in seinem Teilchenbeschleuniger verwendet. Es hat gleichzeitig zudem einen rechtlichen Rahmen für Open-Source-Hardware entwickelt.

Genau genommen ist der wieder beim CERN entstanden. Das Forschungszentrum hatte im März dieses Jahres den Entwurf 1.0 einer neuen Lizenz für quelloffene Hardware zur Diskussion unterbreitet. Jetzt liegt der Konsenz vor, die Open Hardware License 1.1 (OHL). An ihrer Formulierung war ein Anwalt beteiligt, der auch für die Free Software Foundation Europe tätig ist.

Die OHL orientiert sich strikt an der „Open Source Definition“. Auch für Hardware gilt demnach: Es gibt völlig freien Zugang zu allen Grundlagen einer Hardware, man darf diese dokumentierten Informationen kopieren, verändern und weiter verbreiten. Dabei geht es nicht nur darum, dass technische Zeichnungen, Schaltpläne, Layouts etc. veröffentlicht sein müssen. Sondern auch komplexere Dinge wie Ablaufpläne und sogar Fertigungstechniken müssen publiziert werden. Ob die Lizenz viral ist, Weiterentwicklungen also ebenfalls Open Source sein müssen, vermag ich noch nicht zu beurteilen; ich bin kein Jurist.

Der Anstoß zu OHL und OHR sei von Kollegen gekommen, die in den Genuss der Community bei der Entwicklung von Linux-Device-Treibern gekommen seien, erklärte OHR-Gründer Javier Serrano: „Wir hatten das Gefühl, dass es keinen stichhaltigen Grund gibt, warum es bei Hardware-Entwicklung anders laufen sollte.“ Serrano und seine Mitstreiter beim CERN verfolgen ein über den Austausch von Entwürfen hinausgehendes Ziel: „Das CERN möchte die Qualität der Designs durch Viel-Augen-Kontrolle verbessern und den Anwendern, einschließlich kommerziellen Firmen, die Freiheit garantieren, sie zu studieren, zu modifizieren und in der Herstellung zu verwenden. Das soll zu besserer Hardware führen und zu weniger Neuerfindung des Rades.“

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Linux-Verbands LIVE.