Anwendern fehlt Open-Cloud-Angebot

Durch Open Source gelernt: Vendor Lock-in droht

Von Ludger Schmitz, 6.7.2011

Nach einer Markterhebung von The 451 Group stehen viel mehr Anwenderunternehmen als gedacht, den proprietären Cloud-Angeboten skeptisch gegenüber. Sie haben von Open Source gelernt.

In jüngster Zeit haben Markterhebungen den Eindruck erweckt, die Bedenken der Anwender gegen Cloud Computing würden schnell schwinden. Ganz so schnell geht es anscheinend doch nicht, und das dürfte einen guten Grund haben. Das ist der Befund der „The 451 Group“ nach einer Erhebung, für die das Marktforschungs- und Beratungs-Unternehmen mit einigen anderen Unternehmen 417 Firmen befragt hat.

Demnach erklärten 40 Prozent der Antwortenden, sie würden mit Cloud Computing nur experimentieren. Weitere 26 Prozent bekundeten, sie warteten einen reiferen Markt der Cloud-Angebote ab. 13 Prozent würden in der Wolke geschäftskritische Anwendungen betreiben, und elf Prozent nutzten sie für Lastspitzen. Agilität, Skalierbarkeit und Kostenersparnisse galten den Befragten als größte Vorteile der Cloud.

Auf der anderen Seite zeigten die Anwender große Bedenken. Sicherheit und Compliance waren bei je 31 Prozent von ihnen die größten Hinderungsgründe. Jeweils ein Viertel sorgten sich um Interoperabilität und Vendor Lock-in. Die Befürchtung, von einem oder wenigen Cloud-Anbietern abhängig zu werden, hatte sich nach Beobachtung der 451-Analysten in den letzten Jahren gemindert, erreicht nun aber wieder hohe Werte.

Nach Ansicht von Jay Lyman, Analyst in der Abteilung „Commercial Adoption of Open Source (CAOS) Research Service“ der 451 Group, hat die verbreitete Skepsis einen eindeutigen Hintergrund: Die Anwender hätten in den letzten Jahren Erfahrungen mit den Vorteilen von Open-Source-Software und (bei vielen Lösungen ebenfalls quelloffener) Virtualisierung gemacht, vor allem mit der Herstellerunabhängigkeit. „Wir glauben, dies zeigt eine Intelligenz des Marktes“, erklärt Lyman, „wir haben keinen Zweifel, dass Open-Source-Software weiterhin eine Schlüsselrolle spielen wird.“

Demnach würde im Cloud-Markt vor allem ein breiteres Open-Source-Angebot fehlen.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Linux-Verbands LIVE.