Mit dem N9 endet eine Ära

Nokia wirft Linux ein Smartphone hinterher

Von Ludger Schmitz, 23.6.2011

Das Nokia-Smartphone N9 ist eigentlich ein großartiger Entwurf, der zeigt, was ein Linux-basierendes Smartphone schon im ersten Design zu leisten vermag.

Die Finnen haben das Meego-basierende N9 vorgestellt, und alle Welt fragt sich, warum überhaupt noch? Schließlich hat sich Nokia von MeeGo verabschiedet. Ursprünglich sollte dieses Linux-basierende Betriebssystem die Basis der hochwertigen Handys werden, der Nachfolger von Symbian, dem das Low-end bleiben sollte. MeeGo ist das Gemeinschaftsergebnis von Nokias Maego und Intels Moblin und steht heute unter der Leitung der Linux Foundation. Doch inzwischen hat sich Nokia für Windows Phone als Zukunftssystem entschieden. Prompt verschwieg Nokia bei der N9-Vorstellung, dass dem Smartphone N9 MeeGo zugrunde liegt.

Ob das Smartphone überhaupt auf dem europäischen Markt erscheinen wird, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Letztlich ist das auch unerheblich, denn nur wenige Kunden dürften sich für ein Gerät interessieren, dem der Hersteller keine Zukunft gibt. Die hat bei den Smartphone ohnehin nur ein Gerät, für das es viele Apps gibt. Und welcher Entwickler wird etwas für's Abstellgleis programmieren?

Der Ausstieg von Nokia aus MeeGo bringt zwar nicht dessen Entwicklung unmittelbar in Gefahr, aber die Marktmacht der Finnen hätte dem Linux-System schon geholfen. Das N9 zeigt zum Abschied noch einmal, was MeeGo vermag. Das ist vielleicht noch ein Signal an dessen sich mehrende Gefolgschaft in der Linux Foundation. In der Industrie gibt es durchaus genug Firmen, die einen vielfältigeren Markt haben möchten, mehr als Google-Androids, Apple's iPhones und morgen Windows-Phone-Nokias. Und bei Nokia dürften jetzt einige fähige MeeGo-Entwickler neue Jobs suchen.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im Mitglieder-Newsletter der Open Source Business Foundation OSBF, Nürnberg.