Superrechner laufen fast alle mit Linux

Cluster mit Multi-Core-Standard-Prozessoren sind der Standard

Von Ludger Schmitz, 20.6.2011

Der neue Spitzenreiter der „Top 500“-Liste bringt mehr Leistung als die Systeme auf den Plätzen zwei bis sechs zusammen.

Die „Number Cruncher“ werden immer größer und gefräßiger. Die „Ahne“ aller Supercomputer, die Cray I, zu sehen im Deutschen Museum in München, würde noch in mein kleines Arbeitszimmer passen. Der heute leistungsstärkste Rechner der Welt braucht schon eine größere Halle. Er besteht aus 800 Server-Schränken, die 68.544 Sparc-Prozessoren mit jeweils acht Cores bergen. Dieser „K Computer“, gebaut von Fujitsu für das Riken Advanced Institute for Computational Science im japanischen Kobe, schafft eine unglaubliche Rechenleistung: mehr als 8 Petaflops, das sind acht Billiarden Gleitkommaberechnungen pro Sekunde.

Zum Vergleich: Diese Rechenpower ist fast viermal größer als die des bisherigen Spitzenreiters, dem Tianhe-1A am National Supercomputing Center im chinesischen Tianjin. Und es sind immer noch mehr als die Leistung der Supercomputer auf den Plätzen zwei bis sechs zusammen. Überhaupt ist jetzt unter den Top-Ten der schnellsten Rechner der Welt kein System mehr, das nicht wenigstens 1 Petaflop leistet. Dies ist der Befund der aktuellen „Top 500“-Liste der weltweit schnellsten Rechner.

Vor gut zehn Jahren zeichnete sich ein Trend zu Clustern aus preisgünstigen Standard-CPUs ab. Diese haben die einst führenden Vectorsysteme inzwischen völlig verdrängt. Und das hat gleich mehrere Folgen. Erstens ist die Leistungsexplosion überhaupt bezahlbar. Zweitens sind auf den Standard-CPUs, Intel führt das Feld an, vier acht oder 16 Cores inzwischen State-of-the-art. Und die reduzieren den Strombedarf. Die neue Nummer 1 verbraucht zwar satte zehn Megawatt, aber pro Watt leisten die Rechner der Top-500-Liste jetzt 464 Mflops, vor nur sechs Monaten waren es noch 268 Mflops.

Drittens aber brauchten Vectorrechner sehr eigene Betriebssysteme. Die Cluster mit den Standard-CPUs laufen allesamt auf Linux in den verschiedensten Varianten. Die zehn schnellsten Computer der Welt verwenden allesamt Linux. Der stärkste Windows-Rechner steht auf Platz 40. Insgesamt ist Linux auf 91 Prozent der 500 leistungsfähigsten Systeme die Basis. Unix hat einen Anteil von 4,6 Prozent, Windows kommt auf 1,2 Prozent.

Der auf Open Source spezialisierte US-amerikanische Kommentator Steven Vaughan-Nichols merkt dazu in seinem ZD-Net-Blog an: „Sie werden vielleicht niemals Linux als Ihr Desktop-Betriebssystem verwenden. Aber wenn sie etwas schnell erledigt haben möchten, besteht die Aussicht, dass Sie Sich auf Linux-Systeme verlassen werden.“

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Linux-Verbands LIVE.