Ratgeber für Open-Source-Lizenzen

Spezialist der Free Software Foundation klärt über juristische Feinheiten auf

Von Ludger Schmitz, 30.5.2011

Unter einer verwirrenden Vielfalt von Open-Source-Lizenzen sind nur wenige von besonderem Interesse.

Ja, es ist eine Crux mit den Open-Source-Lizenzen: Ein-paar-und-fünfzig davon gibt es, und Großunternehmen werden wohl eher ihre Rechtsabteilung beauftragen, die nächste für sich maßzuschneidern, als die schon bestehenden auf ihre Eignung zu prüfen. Kleine und mittelständische Unternehmen stehen erst recht „im Wald“. Verantwortlich dafür ist die Open Source Initiative (OSI), die alle Open-Source-Lizenz-Vorschläge genehmigen muss. Das hat sie dermaßen überreichlich gemacht, dass die Organisation dafür seit Jahren ziemlich „geprügelt“ wird. Jetzt aber muss die Open-Source-Welt mit dem Überangebot leben.

Um das Leben einfacher zu machen, hat sich Brett Smith, ein auf Lizenzrecht spezialisierter Aktiver der Free Software Foundation (FSF), dankenswerterweise an die Arbeit gemacht. Herausgekommen ist ein Lizenzratgeber, der nicht nur die Lizenzen erklärt, sondern auch juristische Feinheiten erläutert. Und zwar in einer verständlichen Art. Er geht von häufigen Anwendungs- und Entwicklungsszenarien für Open-Source-Software aus und entwickelt daraus Empfehlungen.

Generell meint Smith – das ist bei einem FSF-Engagierten nicht anders zu erwarten – als Standard sei das Beste die stärkste Copyleft-Lizenz. Das ist die GNU General Public License Version 3 (GPLv3). Die ist aber ziemlich „viral“ und kompromisslos auf Freiheit angelegt. Deshalb bevorzugen Unternehmen, wie kürzlich der Software-Anbieter OpenLogic in einer Analyse festgestellt hat, die Apache Public License. Die ist liberaler im Umgang mit Closed-Source-Elementen. Smith empfiehlt die APL-Version 2.0. Eine alternative Lizenz, eine alte Kompromissformel der FSF, ist die GNU Lesser General Public License (LGPL). Sie ermöglicht die Nutzung von Open Source in proprietären Anwendungen. Der Lizenzratgeber empfiehlt die LGPL für Software-Bibliotheken.

Sehr viel jüngerer Art sind drei weitere Lizenzempfehlungen: Besonders wichtig ist der Rat zur GNU Affero General Public License (AGPL) für alle Software, die in Netzen läuft. Sie ist das Mittel der Wahl für virtualisierte Umgebungen, remote Desktop-Steuerung, Private Clouds etc. Für Software-bezogene Dokumente ist nach Ansicht von Smith die GNU Free Documentation License (FDL) anzuraten.

Für alle anderen Dokumente, für Texte wie diesen, Fotos und Videos gibt es die Creative Commons License. Smith rät zur Variante CC BY-SA. Das bedeutet Namensnennung des Authors/Fotografen/Filmers usw. plus Weitergabe unter gleichen Bedingungen. Das ist für FSF-Verhältnisse ausgesprochen liberale Empfehlung.

Für schreibende oder fotografierende Selbständige gestattet sich der Autor dieses Blog-Eintrags den Vorschlag einer anderen Lizenz, unter der er auch alle Beiträge seiner Website stehen hat: CC BY-NC: Namensnennung plus Non-Commercial. Alle Ausbildungseinrichtungen sollen ohne Nachfrage nutzen dürfen, was ich da veröffentliche.

*Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf der Website des Bonner IT-Dienstleisters Tarent.